Achtung: Bitte beachten Sie die Sperrfrist zur Veröffentlichung: 19.1.2022, 6:00 Uhr! / ARD-Recherchen: Im deutschen Amateurfußball fließt jährlich Schwarzgeld von mutmaßlich bis zu 500 Mio. Euro

München (ots) –

ARD-Recherchen für die Dokumentation „Milliardenspiel Amateurfußball – Wenn das Geld im Umschlag kommt“ am Mittwoch, 19. Januar 2022, um 23:30 Uhr im Ersten machen ein massives Finanzproblem im deutschen Amateurfußball sichtbar. In den Ligen unterhalb des Profifußballs fließt viel Geld, das oft bar im Briefumschlag gezahlt wird – ohne dass die Beteiligten Steuern und Sozialabgaben abführen. Das zeigt die bislang größte Online-Befragung zur Bezahlkultur im deutschen Amateurfußball. Sie wurde von ARD-Reporter:innen mit technischer Unterstützung des gemeinnützigen Recherchezentrums „Correctiv“ durchgeführt. Mehr als 10.000 Spielerinnen und Spieler haben teilgenommen.

Während laut Umfrage im Amateur-Frauenfußball kaum Geld gezahlt wird, wurde unter den 8085 männlichen Teilnehmern im fußballaffinen Alter von 18 bis 39 Jahren eine Bezahlkultur deutlich. In dieser Bezugsgruppe haben 60,2 Prozent einmal oder öfter Geld dafür bekommen, in einem Amateurverein Fußball zu spielen. Sie erhielten einen monatlichen Festbetrag und/oder Punkt- und Siegprämien. 36,9 Prozent von ihnen gaben an, im Monat Oktober 2020 Geld fürs Fußballspielen kassiert zu haben.

Auch in tieferen Ligen ist es der Erhebung zufolge keineswegs ungewöhnlich, mit Fußball Geld zu verdienen. In der fünften Liga werden demnach 89,9 Prozent aller Spieler bezahlt. In Liga 6 sind es 76,6 Prozent, in der siebten Liga 50,9 Prozent. In der achten Liga, in manchen Landesverbänden des DFB ist das die Bezirksliga, in anderen die Kreisliga, erhalten noch immer 36,4 Prozent der Spieler Geld für ihren Einsatz.

Geht man davon aus, dass Deutschlands Amateurfußballer im Schnitt etwa genauso viel Geld bekommen wie die Teilnehmer der bundesweiten Befragung, so ergibt die Hochrechnung der Daten für den Beispielsmonat Oktober 2020 eine gewaltige Summe. In diesem Monat wurden demnach in Deutschland rund 100 Millionen Euro an Amateurspieler bezahlt. Auf eine Saison mit zehn Verdienstmonaten gerechnet macht dies eine Milliarde Euro.

Geht man zudem davon aus, dass der Anteil verdeckter Zahlungen („schwarz“, „im Umschlag“) ebenso hoch ist wie von den Spielern in der Befragung angegeben, dann würden mutmaßlich pro Monat 50 Millionen, pro Saison also 500 Millionen Euro Schwarzgeld bezahlt.

Das Statistik-Labor der Ludwig-Maximilians-Universität München bescheinigt nach Prüfung der Hochrechnung, diese sei unter den getroffenen Annahmen „korrekt und nachvollziehbar“.

Der Münchner Sportrechtler Thomas Summerer erstellte im Auftrag der ARD zu der Umfrage ein juristisches Gutachten. Der ARD sagte er, die Befragung werde „ein kleines Erdbeben auslösen, denn wenn es schwarze Kassen gibt, dann ist das per se schon ein Straftatbestand, nämlich Untreue.“ Vereinen, die bei Schwarzgeldzahlungen erwischt würden, drohe „der Entzug der Gemeinnützigkeit“. Und auch ein Spieler, der Schwarzgeld annehme, könne laut Summerer „massive Probleme bekommen“. Er könne „wegen Steuerhinterziehung bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe“ erhalten.

Laut DFB-Spielordnung dürfen Amateurfußballer nicht mehr als 250 Euro pro Monat an Auslagenerstattung und/oder Aufwandsentschädigung bekommen. Liegt der Geldfluss höher, muss ein Amateurvertrag abgeschlossen werden. Hier werden dann Steuern und Sozialabgaben fällig. Trotz der hohen Geldflüsse ist die Zahl der Amateurverträge im Amateurfußball verschwindend gering. In der Saison 2020/2021 kamen auf mehr als 700.000 Amateurspieler laut Angaben der 21 Landesverbände des DFB gerade mal rund 8500 Amateurverträge. Ein Mäzen aus Hessen, der Unternehmer Gerhard Klapp, sagte der ARD, in den von ihm unterstützten Vereinen gebe es „wenig Amateurverträge“. Er erklärte das mit den Zusatzkosten und bestätigte, den offiziellen Weg zu gehen, sei für die Vereine teuer.

Beim Deutschen Fußballbund sieht man die Bezahlung in unteren Ligen grundsätzlich kritisch. Zahlungen sind aus Sicht des Verbandes der „falsche Weg“. Für die 21 Landesverbände unter dem Dach des DFB sei allerdings „eine Kontrolle nicht möglich“. Die internen Regelungen in den Vereinen seien „Sache der insoweit unabhängigen Vereine“. Die Rahmenbedingungen dafür setze der Gesetzgeber.

Das Erste zeigt die Dokumentation „Milliardenspiel Amateurfußball – Wenn das Geld im Umschlag kommt“ am Mittwoch, 19. Januar um 23:30 Uhr direkt im Anschluss an die Übertragungen vom DFB-Pokal-Achtelfinale. Bereits morgens am Sendetag gibt es den Film online first in der ARD Mediathek.

Pressekontakt:
Swantje Lemenkühler, ARD-Koordination Sport
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Quelle: ots

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