Deutscher Journalistenpreis: Würdigung der neun prämierten Siegertexte durch die Jury

Frankfurt am Main (ots) –

Neun Texte zu Themen aus der Wirtschafts- und Finanzwelt wurden bei der diesjährigen 16. Vergabe des Deutschen Journalistenpreises (djp) prämiert. Im Rahmen der virtuellen Preisverleihung konnten Autorinnen und Autoren aller Siegerbeiträge live aus Deutschland, Belgien, Italien, Portugal und den USA zugeschaltet und vorgestellt werden. Sie gaben im Gespräch mit Vertretern der Jury und Kurator Volker Northoff spannende Einblicke in die Entstehung ihrer Artikel. Alle Nominierten waren online dabei und durften gespannt sein, wer von ihnen bei den einzelnen djp-Themen als Preisträger zum Gespräch über den prämierten Beitrag in die Sendung geschaltet würde.

Neun Jurorinnen und Juroren im TV-Studio würdigten die Siegertexte je Themengebiet. CEOs der Partner des Deutschen Journalistenpreises brachten mit persönlichen Worten ihre Wertschätzung für seriösen, unabhängigen Journalismus zum Ausdruck. Die Dokumentation der Preisverleihung mit der Würdigung der Siegertexte durch die Laudatoren ist dauerhaft als Video auf www.djp.de abrufbar.

– Als Jurysprecher für das Themenressort Mobilität & Logistik betonte Sebastian Schmid, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, dass in vielen Teilen der Welt eine fragile logistische Infrastruktur unmittelbare Gefährdungen für die Versorgung der Menschen mit sich bringt. Preisträger Wolfgang Bauer habe dies im ZEITmagazin vom 17. April 2022 durch seine Reportage „Der Riss“ über den einsturzgefährdeten Salang-Tunnel, der den Norden und Süden Afghanistans miteinander verbindet, eindrucksvoll gezeigt. Faktenreich, atmosphärisch dicht und fesselnd erzählt, mit einprägsamen Schilderungen der verschiedenen Protagonisten, erfahren die Leserinnen und Leser, was es bedeutet, die wirtschaftliche Lebensader eines Landes unter schwersten Bedingungen zumindest halbwegs zu erhalten.
– Svenja Beller hat am 17. Juni 2022 im SZ Magazin darüber berichtet, wie der Oktopus künftig als Nahrungsmittel industriell gezüchtet werden soll. Ihr Beitrag „Dem Meer entrissen“ überzeugt nach Ansicht von Carla Neuhaus, Ressortleiterin Wirtschaft beim Focus Magazin und Laudatorin für das Ressort Innovation & Nachhaltigkeit, durch das überraschende Thema, die aufwändige Recherche und die sehr vielschichtige und kundige Darstellung. Nach Meinung der Jury besticht der Text als eine Mischung aus Poesie, Philosophie und Wissenschaft. Am Ende sei der Leser wie verliebt in ein Tier, das er bisher nur vom Teller kannte und danach nie wieder essen möchte.
– Juror Patrick Bernau, Ressortleiter Wirtschaft & Wert der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, betonte beim in diesem Jahr erstmals ausgelobten Themenpreis Transformation, dass der prämierte Beitrag exzellent geschrieben und durch den Blick auf die Protagonisten sehr anschaulich sei. Björn Finke und Josef Kelnberger, Brüsseler Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung, haben in ihrer Reportage „Der unermüdliche Herr Liese“, erschienen am 11. Juni 2022, den Politikalltag in der Europäischen Union exemplarisch anhand des Themas Emissionshandel erklärt und verständlich gemacht. Dabei haben die Preisträger durch den als dramaturgisches Mittel gewählten Tagebuchstil spannend verdeutlicht, wie komplex die Transformation hin zu nachhaltigem Wirtschaften ist.
– Im Bereich Bildung & Arbeit prämierte die Jury Maria Christoph, Nora Voit und Dominik Wolf für die in der ZEIT vom 9. September 2021 erschienene investigative Reportage „Gruß aus der Küche“ über den Umgang von Sterneköchen mit ihrem Personal. Jurymitglied Ulric Papendick, Leiter der Kölner Journalistenschule, zeigte sich beeindruckt von der anderthalb Jahre umfassenden Recherche und der packenden Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Text ist im Urteil der Jury ein großartiger Report über die offenbaren Schattenseiten der Spitzengastronomie – dicht erzählt, glaubwürdig belegt, abwechslungsreich geschildert, hervorragend lesbar, mit vielen unterschiedlichen Quellen.
– Marc Neller und Benedikt Fuest von der Welt am Sonntag sind die Preisträger beim Thema IT & Kommunikation mit ihrer Reportage „Die Herren des Lichts“ vom 15. Mai 2022, in der sie eine niederländische und zwei deutsche Firmen vorstellen, deren Technologie unverzichtbar ist für den Bau von Maschinen zur Herstellung von Computerchips. Bei Laudator Volker Zota, Chefredakteur von heise online, haben die Autoren Begeisterung und Hochachtung ausgelöst. Sie hätten das hochkomplexe und für die Halbleiterproduktion höchst relevante Thema der EUV-Lithografie für ihre Leserinnen und Leser frei von jeglichen Fachbegriffen nachvollziehbar gemacht.
– Beim Siegerbeitrag zum Themengebiet Bank & Versicherung geht es unter dem Titel „Haus.Schluss.Panik“ um die für viele kaum noch mögliche private Immobilienfinanzierung. Simon Book und Henning Jauernig haben im Spiegel vom 18. Juni 2022 informativ und unterhaltsam, bildreich und mit sehr lebhafter Sprache ein aktuell sehr relevantes Thema umfassend behandelt und facettenreich dargestellt, so Juror Bernd Zeberl, Chefredakteur von dpa-AFX.
– Im Ressort Vermögensverwaltung wurden Jens Tönnesmann und Heike Buchter für ihr Porträt von Desiree Fixler ausgezeichnet, die zeitweise bei der DWS für die Nachhaltigkeitsstrategie zuständig war und dem Unternehmen danach vorwarf, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Der kurzweilig zu lesende Beitrag in der ZEIT vom 23. September 2021 unter dem Titel „Eine Bankerin sieht grün“ habe am Finanzplatz das Bewusstsein dafür geschärft, dass mit dem Thema Nachhaltigkeit für die gesamte Branche ein negatives Reputationsrisiko verbunden sein kann, so Jurymitglied Detlef Fechtner, Chefredakteur der Börsen-Zeitung.
– Beim Thema Weltwirtschaft entschied sich die Jury für einen Text von Wolfgang Uchatius, Moritz Aisslinger, Andrea Böhm, Lea Frehse, Christiane Grefe, Kerstin Kohlenberg und Fabian Kretschmer in der ZEIT vom 12. Mai 2022. Mit der Reportage „Lässt sich hier noch Weizen ernten?“ bieten sie ihren Leserinnen und Lesern eine eindrückliche und angesichts der aktuellen Ereignisse hochrelevante Darstellung weltwirtschaftlicher Wirkungszusammenhänge. Die Fragilität der weltwirtschaftlichen Vernetzung und Arbeitsteilung werde vor dem Hintergrund der durch den Ukrainekrieg bedingten Nahrungsmittelkrise anhand umfassender Vor-Ort-Recherchen in fünf Ländern auf drei Kontinenten luzide darstellt, so Laudator Malte Fischer, Chefvolkswirt der WirtschaftsWoche. Die Jury zeigte sich beeindruckt davon, wie es einem internationalen Korrespondentennetzwerk mit einer Mischung aus szenischen und analytischen Elementen gelungen ist, dem Thema mit jeder Person, jedem besuchten Ort immer noch größere Brisanz zu verleihen und es gleichzeitig durch die Sichtweise eines Bauern aus Deutschland lokal zu verankern – und dies trotz der Vielzahl der Autoren in einer sehr ansprechenden sprachlichen Gestalt aus einem Guss.
– Ebenfalls von einem größeren Autorenteam stammt der Siegerbeitrag beim Offenen Thema, also Artikeln über Wirtschaftsbereiche, für die kein eigener Themenpreis ausgelobt wird. Die Auszeichnung ging an Simon Book, Tim Bartz, Kristina Gnirke, Martin Hesse, Ansgar Siemens und Gerald Traufetter für das Porträt des Immobilieninvestors René Benko unter dem Titel „Die Stadt bin ich“ im Spiegel vom 5. Februar 2022. Auf Basis einer sehr umfangreichen Recherche kommen zahlreiche unterschiedliche Quellen zu Wort, die Strategien und Netzwerke rund um milliardenschwere Immobiliendeals werden eindrücklich beschrieben. Reuters-Chefredakteurin Sabine Wollrab lobte als Vertreterin der Jury, wie der Text mit Bildern und Attributen spielt. Er sei plastisch und kurzweilig geschrieben und zugleich spannend zu lesen.

Die prämierten Beiträge können ebenso wie die weiteren 33 nominierten Artikel auf www.djp.de als Text und im Layout eingesehen werden.

Mit Unterstützung namhafter Unternehmen verschiedener Branchen lobt „The Early Editors Club“ (TEEC) (https://www.early-editors.de/), das Expertennetzwerk zur Förderung des Qualitätsjournalismus, den Deutschen Journalistenpreis seit 2007 jährlich aus. Partner sind BASF, DWS, EnBW, HSBC, Huawei, HypoVereinsbank, Mercedes-Benz, Pictet, Randstad, Siemens und Signal Iduna.

Der unabhängigen Jury gehören 90 hochrangige Repräsentanten aus Medien, Wirtschaft und Wissenschaft an, darunter Herausgeber, Chefredakteurinnen und Ressortleiter aller führenden deutschsprachigen Medien für Wirtschaftsthemen, renommierte Institutsdirektoren, Verbandsvertreter und Hochschulprofessoren, die Leiterinnen und Leiter mehrerer Journalistenschulen sowie die Preisträger des Vorjahres.

Die Jurymitglieder erhalten sämtliche Texte anonymisiert ohne Layout: Allein die Kraft des Wortes zählt. Insgesamt lagen der Jury 424 Beiträge von 388 Journalistinnen und Journalisten vor, erschienen in 87 Medien aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Je Ressort nominieren die einzelnen Themenjurys bis zu sechs Artikel, und zwar drei aus der Kategorie tagesaktuelle Medien und drei aus periodischen Medien. Einen dieser Beiträge prämieren sie mit dem Deutschen Journalistenpreis für das jeweilige Ressort. Zugelassen sind alle Textgattungen, von Kommentar und Glosse über Exklusivmeldungen, Reportagen und Analysen bis hin zu Titelgeschichten und Interviews.

Als Preisgeld waren in diesem Jahr 45.000 Euro ausgelobt. Ein Fünftel der Preisgelder fließt an wohltätige Zwecke: Die Preisträger und Nominierten erhalten neben ihrer persönlichen Prämie das Recht, eine gemeinnützige Organisation zu benennen, die daraufhin mit einer Spende unterstützt wird. Seit 2007 wurden auf diese Weise mehr als 150.000 Euro an über 200 Organisationen ausgezahlt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Journalistenpreises 2022

Bank & Versicherung: Simon Book und Henning Jauernig

„Haus. Schluss. Panik“, Der Spiegel vom 18. Juni 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9340&p2=1655639954&p3=save)

Bildung & Arbeit: Maria Christoph, Nora Voit und Dominik Wolf

„Gruß aus der Küche“, Die Zeit vom 9. September 2021 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9504&p2=1657120691&p3=save)

Innovation & Nachhaltigkeit: Svenja Beller

„Dem Meer entrissen“, SZ Magazin vom 17. Juni 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9576&p2=1657395400&p3=save)

IT & Kommunikation: Marc Neller und Benedikt Fuest

„Die Herren des Lichts“, Welt am Sonntag vom 15. Mai 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9258&p2=1652693380&p3=save)

Mobilität & Logistik: Wolfgang Bauer

„Der Riss“, ZEITmagazin vom 17. April 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9630&p2=1657552055&p3=save)

Transformation: Björn Finke und Josef Kelnberger

„Der unermüdliche Herr Liese“, Süddeutsche Zeitung vom 11. Juni 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9311&p2=1655245729&p3=save)

Vermögensverwaltung: Jens Tönnesmann und Heike Buchter

„Eine Bankerin sieht grün“, Die Zeit vom 23. September 2021 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9617&p2=1657487628&p3=save)

Weltwirtschaft: Wolfgang Uchatius, Moritz Aisslinger, Andrea Böhm, Lea Frehse, Christiane Grefe, Kerstin Kohlenberg und Fabian Kretschmer

„Lässt sich hier noch Weizen ernten?“, Die Zeit vom 12. Mai 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9501&p2=1657026350&p3=save)

Offenes Thema

Simon Book, Tim Bartz, Kristina Gnirke, Martin Hesse, Ansgar Siemens und Gerald Traufetter

„Die Stadt bin ich“, Der Spiegel vom 5. Februar 2022 PDF (https://download.djp.de/downloadarticle.php?p1=9242&p2=1650447962&p3=save)

Pressekontakt:
Volker Northoff
The Early Editors Club (TEEC)
Frankfurt/Main
Telefon: 069 / 40 89 80-00
Telefax: 069 / 40 89 80-10
E-Mail: [email protected]
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Quelle: ots

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