Eva-Maria Lemke und Olaf Sundermeyer vom RBB: „Schlesinger ist nur Symptom einer strukturellen Krise“

Bonn (ots) –

Abendschau-Moderatorin Eva-Maria Lemke und Investigativjournalist Olaf Sundermeyer vom RBB sprechen im journalist-Interview über die Auswirkungen des RBB-Skandals auf den Sender und ihre tägliche Arbeit. Lemke sagt: „Wir alle im Haus können jedem Whistleblower dankbar sein.“ Sie sei froh, dass genug zutage getreten ist, „um offen und ehrlicher miteinander umzugehen“. Schlesinger sei nur Symptom einer strukturellen Krise, sagt Sundermeyer. Das Problem liege weder in den Redaktionen noch bei deren Reportern und den technischen Kollegen, sondern in den Hierarchien darüber. „Hier im Haus sollten viele Führungspositionen hinterfragt werden, auch die Aufsichtsgremien, die das in der Vergangenheit offensichtlich versäumt haben.“

Dieses System habe auch deswegen funktioniert, weil kritische Nachfragen etwa zur Chefetage im 13. Stock „richtiggehend abgebügelt“ wurden, berichtet Lemke im journalist: „Unter Kollegen kursiert die Anekdote, dass Schlesinger darauf erwidert haben soll: ‚Da draußen können Sie Ihre kritischen Fragen stellen!‘ Drinnen galt das als Nestbeschmutzung.“ Wer aufsteige, werde so in die herrschenden Strukturen eingebunden, dass er oder sie selbst weisungsgebend wird und damit das System stützt. Sundermeyer: „Es braucht eine Umverteilung zugunsten derer, die das Programm gestalten. Und damit sind vor allem all jene hinter den Geschichten gemeint, die als freie Mitarbeiter teils jahrzehntelang den Staatsauftrag fürs Publikum erfüllen und dennoch oft keinen Bestandsschutz genießen.“

Das Momentum des Wandels von unten sei durch den raschen Wechsel in der Intendanz schon wieder eingefroren, sagt Sundermeyer im journalist-Interview. Von der neuen Intendantin Katrin Vernau erwartet er, dass sie jeden Führungsposten mit den Bedürfnissen im Regionalen abgleicht. Vernau habe die Überwindung der Entkopplung zwischen den unterschiedlichen Ebenen gleich nach Amtsantritt zu ihrer dringlichsten Aufgabe erklärt. „Da bin ich mal gespannt auf künftige Umverteilungen“, sagt Sundermeyer. „Dass ihr Arbeitsvertrag nur unwesentlich geringer dotiert wurde als der von Patricia Schlesinger, ist da kein allzu glaubhafter Start.“ Lemke sagt dazu: „Ein wenig müssen wir aber auch abwarten, was geschieht; das ist ja alles noch frisch. Aber viel Zeit zum Brüten hat Frau Vernau nicht, und einige von denen, die ein paar Gehaltsstufen tiefer vom System profitiert haben, sind ja noch da.“

In seine Oktober-Ausgabe schaut der journalist auf den RBB – von außen und von innen. Deshalb erscheint das Magazin mit zwei unterschiedlichen Covern. 1. Mit Eva-Maria Lemke und Olaf Sundermeyer (RBB). 2. Mit Kayhan Özgenc und Jakob Wais (Business Insider). Die kompletten Interviews lesen Sie im journalist und auf journalist.de. Der journalist ist mit einer Druckauflage von 29.000 Exemplaren (IVW) das größte und wichtigste Magazin für Journalist*innen in Deutschland. Herausgeber ist der Deutsche Journalisten-Verband, Verlag: Journalismus3000 GmbH.

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Quelle: ots

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