Leipzig (ots) –

Sie waren die perfekten Lockdown-Begleiter – die Haustiere. Doch nun folgt eine Rückgabewelle; Problemhunde, „Katzenschwemme“, volle Tierheime sind die Folge. Für die MDR-Reihe „exactly“ hat Reporterin Viktoria Schackow bei Menschen nachgefragt, die den Haustierboom und seine Folgen ausbaden. Zu sehen ist die neue Folge des jungen MDR-Reportageformats ab Montag, 28. März, 8.00 Uhr in der ARD-Mediathek sowie ab 17.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal „MDR Investigativ“.

„Wir müssen jonglieren, um die Tiere noch unter zu bekommen. Die Abgabewelle der Tiere aus Privathaushalten hat enorm zugenommen. Viele Menschen haben sich in der Pandemie ein Haustier angeschafft, ohne sich der Konsequenzen gewiss zu sein“, stellt Regina Barthel-Marr fest. Sie ist die Vorsitzende vom Tierschutzverein Freital und leitet das Tierheim bei Dresden. Wenn die Tierheime zunächst von dem Boom profitierten, so verhängen sie jetzt hier und da Aufnahmestopps. Für neue Tiere ist kein Platz. Mehr Geld gibt es für die Heime nicht. Und das, obwohl es 2020 in Deutschland ein Rekordhoch bei der Hundesteuer von rund 380 Millionen Euro gab. Gleichzeitig gehen die so dringend benötigten Spenden zurück.

Im Frühjahr 2020 fanden vor allem Katzen und Kleintiere neue Besitzerinnen und Besitzer. Was auch im Netz schnell bestellt wurde, wird hier und da gern wieder abgegeben. Oder wird zum Problem, das andere ausbaden. Wie Claudia Lange, die Problemhund Balu täglich trainiert. Die französische Bulldogge war ein typischer „Corona-Welpe“, der die Familie, die ihn kaufte, überforderte. Viele Menschen unterschätzten die Kosten und den Zeitaufwand, der mit Haustieren verbunden ist, wenn man dann doch wieder normal arbeitet. Im Jahr 2020 stieg allein die Zahl der registrierten Hunde in Deutschland um mehr als 30 000. Nun erzieht Claudia Lange in Magdeburg den „Corona-Hund“: „Balu kannte keine Ruhe, keine Regeln, keine Grenzen. Das mündet dann natürlich in 1001 Problemen.“ Deshalb sucht sie regelmäßig Hilfe in der Hundeschule von Nadine Liebert. Die Hundetrainerin in Magdeburg spürt die Folgen des Haustierbooms: „Ich muss deutlich weniger Gruppenstunden und viel mehr Einzelcoachings anbieten, um so den veränderten Bedürfnissen der Hunde und ihrer Herrchen und Frauchen gerecht zu werden.“

Das beliebteste Haustier in Deutschland ist seit Jahren die Katze. Der Deutsche Tierschutzbund warnt vor einer „Katzenschwemme“ und spricht für das Jahr 2020 von einer Zunahme von 1 Million Katzen in deutschen Haushalten. „Der absolute Wahnsinn“, meint Tobias Krüger. Auf seinem Instagram-Account @maliathe.cat teilt der stolze Katzenbesitzer Fotos seiner Katze „Malia“ mit 130.000 Followern und verdient damit Geld. „Seit Corona bekommen wir deutlich mehr Anfragen zur Haltung von Katzen“, so der Petfluencer aus Leipziger. Auf dem Account will er auch Aufklärungsarbeit leisten und Katzeninteressierte für die Thematik sensibilisieren.

Natürlich gibt es viele Menschen, die sich wirklich viel Mühe geben mit ihren neuen tierischen Bewohnern. Doch was passiert mit den Haustier-Impulskäufen? Wächst eine neue Generation von Problemhunden heran? Wie meistern die Tierheime die Rückgabewelle? Wie kann man Impulskäufe in Zukunft verhindern?

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Thomas Ahrens, MDR-Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. (0391) 539 21 21, E-Mail: [email protected], Twitter: @MDRpresse
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Quelle: ots