Jung, gläubig, ostdeutsch – MDR-„exactly“ über Gläubige im Land der Atheisten

Leipzig (ots) –

Nirgendwo gehören so wenig Menschen einer Religion an wie in Ostdeutschland, besonders in Sachsen-Anhalt. Warum? Und was bedeutet das für die Gemeinden vor Ort? Für die MDR-Reihe „exactly“ hat Marie Landes vier Menschen aus vier verschiedenen Religionsgemeinschaften begleitet. Die Reportage „Jung, gläubig, ostdeutsch – im Land der Atheisten“ ist zu sehen ab 30. Mai, 8.00 Uhr in der ARD-Mediathek sowie ab 17 Uhr auf dem YouTube-Kanal „MDR Investigativ“.

„Die Situation ist Revolution oder Untergang – und die Chancen sind 50/50“, sagt Pfarrer Werner Meyknecht. Dass „die Kirche“ sich in einer existenziellen Krise befindet, erlebt er in seiner evangelischen Gemeinde in Landsberg hautnah. Wie überall schrumpft auch hier die Gemeinde. Gleichzeitig bemerkt der 34-Jährige gerade in seiner Generation ein großes spirituelles Bedürfnis. „Ich erlebe aber auch, dass das bei der Kirche überhaupt keinen Andockpunkt findet.“

Überalterung ist eine Ursache für den Mitgliederschwund. In Ostdeutschland kommt die DDR-Vergangenheit dazu. Der Staat fuhr eine harte Anti-Kirchen-Politik. Zur Entfremdung trugen aber auch Skandale bei. Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch führten besonders in der katholischen Kirche zu Vertrauensverlust.

Auch Mara Klein hadert. Sie studiert in Halle, ist nicht-binär und kämpft für eine moderne katholische Kirche – gemeinsam mit anderen der Aktion „Out in Church“ und beim Synodalen Weg. „Also ich bin katholisch, ich würde das auch bleiben, sollte ich austreten. Davon bin ich überzeugt. Ich denke, diese Gemeinschaft ist mehr als zur Amtskirche zu gehören.“ Mara ist überzeugt, dass der Aktivismus etwas bewegt: „Die Anliegen, die wir in Deutschland im Reformprozess durchzusetzen versuchen, sind Anliegen, die von Katholikinnen und Katholiken weltweit geteilt werden.“

Mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert sind Jan Laiter und Daniel Stahnke. In Magdeburg wird derzeit eine neue Synagoge gebaut – die zweite in Sachsen-Anhalt seit dem Zweiten Weltkrieg. Für den 22-jährigen Jan war das lange nur eine Utopie. Ohne Synagoge könne kein lebendiges Gemeindeleben funktionieren. Jan lebt heute in Berlin und gehört dort einer orthodoxen Gemeinde an. „Leute beten dreimal am Tag. Ja, jeden Tag mache ich das. Aber das stört mich nicht, ab und zu mal Netflix zu schauen und zur Uni zu gehen – wie jeder andere Student auch.“ Er will dem Klischee, das viele zu orthodoxem Judentum im Kopf haben, etwas entgegensetzen.

Auch für die Gemeinde von Daniel Stahnke ist ein gemeinsamer Ort essentiell für das Gemeindeleben. Vor zehn Jahren ist er zum Islam konvertiert. „Ich habe einfach nur gesagt, ich glaub jetzt an Gott. Ansonsten dachte ich gar nicht, dass es so einen großen Wirbel auslöst.“ Als er und andere die Moschee in Merseburg aufbauten, sei es schwer gewesen, einen Raum zu finden. Viele hätten Vorbehalte gehabt. „Alle sagen: ‚Nehmt ja kein Geld vom Ausland.‘ Aber niemand hilft uns, eine Moschee zu gründen“, kritisiert er.

Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn Religion keine Rolle mehr spielt? „Exactly“ begleitet Werner, Mara, Jan und Daniel. Was macht Glaube für sie aus? Vor welchen Herausforderungen stehen sie und wie prägen sie ihre Gemeinden? Was Reporterin Marie Lande dazu herausgefunden hat, ist auch im MDR-Fernsehen am Mittwoch, 01.06.2022, um 20.45 Uhr in der Reihe „Exakt – Die Story“ zu sehen.

Pressekontakt:
Thomas Ahrens, MDR-Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. (0391) 539 21 21
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Quelle: ots

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