Linda Zervakis: „Ich weiß, wie es ist, mit wenig Geld auszukommen.“ / Die Moderatorin, Podcasterin und Autorin über Gelassenheit, Selbstvertrauen und ihre Gewissheit, dass es immer weitergeht

Hamburg (ots) –

Ihr selbstgewählter Abschied als Tagesschau-Sprecherin war ein Paukenschlag. Aber einem Millionenpublikum Nachrichten zu präsentieren, ist nur eines von Linda Zervakis‘ vielen Talenten. Genauso gut wie souverän kann sie lustig und ironisch – und wirkt auch dabei immer vollkommen unverstellt. „Ich habe keine Lust abzudrehen oder eine Rolle zu spielen. Warum auch? Nur, weil ich mein Gesicht in die Kamera halte? Die Zeit im Kiosk hat mich geerdet. Ich werde immer ’normal‘ und ‚echt‘ bleiben“, sagt Linda Zervakis jetzt im Interview mit EMOTION (Ausgabe 11/2022 ab heute im Handel, emotion.de).

Der Kiosk, das ist der Kiosk ihrer Familie in Hamburg-Harburg. Die Eltern arbeiteten dort „jeden Tag 15 Stunden“. Als der Vater plötzlich an Krebs starb, war ihre Mutter allein für Linda und die beiden Geschwister verantwortlich. Der Kiosk war die einzige Einnahmequelle der Familie, alle mussten mitarbeiten – und Linda Zervakis musste quasi über Nacht erwachsen werden. „Ich weiß, wie es ist, mit wenig Geld auszukommen. Daher mache ich mir auch keine großen Sorgen, was dieser Winter bringen wird. Tatsächlich trage ich in mir die Gewissheit: Es geht trotz allem immer weiter“, sagt die Moderatorin. Sie versuche generell, nicht zu emotional mit Schwierigkeiten umzugehen. Eine Gelassenheit, die wohl auch in ihren griechischen Wurzeln gründet. „‚Schauen wir mal‘ ist ein griechischer Spruch für alle Lebenslagen“, sagt sie und lacht.

Den Wechsel von der Tagesschau ins Privatfernsehen habe sie sich sehr gut überlegt. „Die ‚Tagesschau‘ ist heilig. Aber zur Wahrheit gehört auch, ich habe nur abgelesen, was andere für mich geschrieben haben“, sagt die 47-Jährige. Das war ihr nicht mehr genug. „Ich möchte andere Facetten zeigen, mich ausprobieren. Bei ProSieben bin ich nach wenigen Wochen gefragt worden, ob ich ein Triell mit den Kanzlerkandidat*innen moderieren möchte – das war irre, das hätte ich in der ARD nie machen dürfen.“

Das Selbstbewusstsein ist der Mutter eines Sohnes und einer Tochter dabei nicht in die Wiege gelegt worden. „Als Schülerin war ich extrem schüchtern, hatte viele Ängste“, erinnert sich Linda Zervakis. „Mein erstes Highlight war, als meine Kollegen in der Werbeagentur mich lobten: ‚Super Idee! Du bist kreativ.‘ Da ging mir auf: So doof, wie du immer dachtest, bist du ja gar nicht. Manchmal verfalle ich noch in alte Muster und frage mich: Kann ich überhaupt irgendwas? Aber das wird immer seltener. Und das habe ich ganz alleine hinbekommen. Für eine Therapie hatte ich zu viel auf dem Zettel – meine Selbstoptimierung muss ich in den Alltag einpflegen.“

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Quelle: ots

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