NDR Festival „Age of Anxiety – An American Journey“ widmet sich der US-amerikanischen Kultur des 20. Jahrhunderts

Hamburg (ots) –

Das 20. Jahrhundert war für die USA eine Zeit des Auf- und Umbruchs. Die junge Nation war auf der Suche nach Identitäten und Idealen. Der britisch-amerikanische Dichter W. H. Auden hatte diese Epoche in seinem gleichnamigen Gedicht als „Age of Anxiety“ bezeichnet – als Zeit der Sorge. Diese Phase der Selbstfindung spiegelt sich auch in der US-amerikanischen Kultur und Musik wider. Audens Dichtung von 1947 ist damit vieldeutiger Namensgeber des diesjährigen NDR Festivals, das vom 11. bis 19. Februar ein breites Panorama der amerikanischen Moderne präsentiert. Werke von Aaron Copland, Samuel Barber, Leonard Bernstein, John Adams, Elliott Carter und John Cage, aber auch von Immigranten wie Erich Wolfgang Korngold und von berühmten Vertretern des „Cool Jazz“ zeichnen das Bild eines kreativen, kulturell kritischen wie weltoffenen Amerikas.

„Wir wollen eine faszinierende, positive Seite der amerikanischen Musik zeigen“, erklärt Alan Gilbert, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters und Initiator des Festivals. „Das finde ich wichtig, nach all dem schlechten Ruf, den sich Amerika in den letzten Jahren erworben hat. Vor allem in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist so viel Bedeutendes entstanden, das unsere musikalische Kultur bis heute prägt.“

Alan Gilbert dirigiert Copland, Barber und Korngold

Zum Start des Festivals präsentiert Alan Gilbert Schlüsselwerke der amerikanischen Musikgeschichte, die hierzulande fast vergessen sind. Im Zentrum der Konzerte am 11. und 12. Februar steht Aaron Copland, der als Schöpfer des unverwechselbaren „amerikanischen“ Orchester-Sounds gilt.

Aaron Copland holte sogar einen der größten Staatsmänner seiner Nation auf die Konzertbühne – zumindest in Gedanken: In seinem „Lincoln Portrait“ ließ der Komponist im Jahr 1942 Reden und Briefe des legendären US-Präsidenten rezitieren. In der Elbphilharmonie übernimmt nun der US-amerikanische Bassist Morris Robinson den Sprecherpart. Krönender Abschluss der Abende ist Coplands Dritte Sinfonie, mit der der Komponist – um Worte Leonard Bernsteins zu benutzen – ein „amerikanisches Monument, ähnlich dem Washington Monument oder dem Lincoln Memorial“ schuf.

Zu erleben gibt es außerdem Samuel Barbers „Essay for Orchestra“ sowie das Violinkonzert des Exil-Österreichers Erich Wolfgang Korngold: Der geniale Komponist, der seine Wurzeln in der üppigen Spätromantik der Richard-Strauss-Ära hatte, verwendete darin Themen seiner Filmmusiken wieder, mit denen er den „Hollywood-Sound“ bis heute prägte. Solist in diesem selten gespielten Konzert ist Stargeiger Leonidas Kavakos.

Das Konzert am 11. Februar wird live im Radio auf NDR Kultur übertragen. Das Konzert am 12. Februar wird live gestreamt auf ndr.de/eo, in der NDR EO App sowie auf concert.arte.tv und bleibt danach als Video-on-Demand online verfügbar.

„American Cool Jazz“ mit der NDR Bigband

Im Rahmen des Festivals gibt die NDR Bigband dem „American Cool Jazz“ in einer Hommage an Chet Baker und Miles Davis neue Tiefenschärfe. Um das Programm für das Konzert zusammenzustellen, ist Jörg-Achim Keller, langjähriger musikalische Leiter und allzeit geschätzter Gastdirigent und -arrangeur der NDR Bigband, in die Archive gestiegen und hat alte Originalarrangements gesichtet. Sie bilden die Basis für sein Porträt des „Cool Jazz“, das frei bleibt von Nostalgie und bei aller Liebe für die Klänge der Originale unverkennbar in unserer Zeit verankert ist. Letztlich gehe es darum, die Individualität der Musiker widerzuspiegeln, die heute in der NDR Bigband spielen, so Keller, denn „es gibt da spannende, neue Persönlichkeiten“.

Das Konzert wird live gestreamt auf ndr.de/bigband sowie auf concert.arte.tv.

Ensemble Musikfabrik spielt Cage, Carter, Crawford-Seeger, Bettison und Lake

Die amerikanische Szene der zeitgenössischen Musik war und ist von großen Einzelgängern, Klangentdeckern und Zukunftserforschern geprägt, die die Musiklandschaft der USA unverwechselbar macht. Am 17. Februar bringt das Ensemble Musikfabrik Werke von John Cage, Oscar Bettison, Ruth Crawford-Seeger, Joseph Lake und Elliott Carter auf die Bühne des Kleinen Saals der Elbphilharmonie.

Bernsteins „Age of Anxiety“ unter Marin Alsop mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester

Zum Abschluss des Festivals spielt das NDR Elbphilharmonie Orchester am 18. und 19. Februar schließlich die zweite Sinfonie „The Age of Anxiety“ von Leonard Bernstein sowie Werke des Neo-Romantikers Samuel Barber und des Minimal-Music-Meisters John Adams. Die Leitung übernimmt die gebürtige New Yorkerin Marin Alsop, langjährige Chefdirigentin des Baltimore Symphony Orchestra und seit 2019 Chefin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. Den mit einer reichlichen Prise Jazz gewürzten Solo-Klavierpart übernimmt der vielseitige Franzose Jean-Yves Thibaudet.

Ein Jahr nach Veröffentlichung von Audens Gedicht begann Bernstein 1948 mit der Arbeit an seiner Sinfonie, der er Audens Gedanken zugrunde legte. Wo finden Menschen in der rasant sich verändernden modernen Gesellschaft noch Halt und Identität? Welche Ideale leiten sie in einer Epoche der Kriege, Unruhen und Umstürze? Diese Fragen, die W. H. Auden in seiner preisgekrönten Dichtung bewegten und denen sich Leonard Bernstein musikalisch stellte, haben auch heute nichts an Aktualität verloren.

Das Konzert am 18. Februar wird live im Radio auf NDR Kultur übertragen. Das Konzert am 19. Februar wird live gestreamt auf ndr.de/eo und in der NDR EO App sowie auf concert.arte.tv und bleibt danach als Video-on-Demand online verfügbar.

Festival: Konzerte vom 11. bis 19. Februar in der Elbphilharmonie Hamburg. Mit dabei: das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung von Chefdirigent Alan Gilbert, die NDR Bigband sowie prominente Gäste wie Marin Alsop, Leonidas Kavakos, Jean-Yves Thibaudet und das Ensemble Musikfabrik. Alle Konzert-Video-Streams und Informationen auf ndr.de/ageofanxiety

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Quelle: ots

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