Sterbehilfe für das Ruhrgebiet / Bestseller-Autor Wolfram Eilenberger kritisiert im Brostcast 30 Jahre Politikversagen

Essen (ots) –

Eine Region die es gar nicht gibt, die mit dem Rücken zur Zukunft läuft und dennoch den eigenen Tod überlebt hat – so lautet die Ruhrgebiets-Analyse von Wolfram Eilenberger (49).

„Es besteht weder ein kartiertes Gebiet noch eine bei der Bevölkerung vorhandene Identität für die Region. Der Begriff „Ruhri“ ist künstlich, kein Mensch würde sich so bezeichnen. Das Ruhrgebiet ist eine reine Rückwärtsprojektion.“

Im Gespräch mit dem Journalisten Hajo Schumacher (57) für den neuen Podcast „BrostCast“ beschreibt der Philosoph in vielen Details die nostalgische Rückwärtsgewandtheit als zentrales Hemmnis bei der Gestaltung der Zukunft.

„Nehmen wir nur die als regionale Kulinarik in Ausflugslokalen angepriesenen Ruhrpott-Tapas. Ein Teller voll Mett, Frikadellen, Kartoffelsalat mit Majo und Currywurst. Meine Töchter essen so etwas nicht, ich kenne keine jungen Menschen, die das mögen…“

Eilenberger hat ein Jahr als „Metropolenschreiber Ruhr“ auf Einladung der Brost-Stiftung in Mülheim an der Ruhr gelebt, sein Blick von außen analysiert „30 Jahre Verdrängung“ durch eine „Palliativpolitik“, die sich der Erkenntnis, dass die „Lebensform des fossilen Kapitalismus nicht fortsetzbar war“, verschlossen habe. Der Bestseller-Autor („Zeit der Zauberer“) vermisst in der Kultur prägende Vorbilder, stattdessen beschreibt er die „Verkalkulation“, mit der eine „Hochkultur für drei Prozent Bevölkerungselite“ organisiert werde. 2010 mit der Initiative Kulturhauptstadt sei der letzte wahrnehmbare „Aufbruch“ in der Region gewesen.

Dabei könnte das Ruhrgebiet als „Reallabor“ der Energiewende für die ganze Welt beispielgebend sein. Eilenberger: „Hier wird in einer Region, die größer als Paris oder London ist, seit Jahrzehnten vollzogen, was Deutschland und die Welt noch zu bewältigen haben. Den Menschen ist bewusst, dass ihre auf fossiler Energie aufbauende Lebensform nicht fortsetzbar ist!“ Die bestehende Universitätslandschaft bewege sich ebenfalls auf Weltniveau, es mangelt jedoch an Zusammenschluss und selbstbewusster Außendarstellung. Eilenberger: „Warum sagt niemand laut: Wir sind hier das neue Seattle! Mit dem Charme des post-industriellen Grunge, auf den die jungen Leute so abfahren.“

Hören Sie mehr im „BrostCast“, der Stimme aus dem Herzen des Ruhrgebietes – dort wo die Zukunft gemacht wird! In der zweiten Folge (20.12.) trifft Hajo Schumacher auf Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck.

Pressekontakt:
Leonie Pohlmann
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Quelle: ots

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