Weltspiegel am Sonntag, 13. Februar 2022, 18:30 Uhr vom NDR im Ersten

München (ots) –

Moderation: Andreas Cichowicz

Geplante Themen:

Ukraine: Charkow – Alltag im Schatten der Krise
In Charkow, im Osten der Ukraine, leben 1,5 Millionen Menschen. Ein großer Teil der überwiegend russischsprachigen Bevölkerung stand der Regierung in Moskau auch nach der Unabhängigkeit nahe. Während der Krise 2014 gab es eine Reihe prorussischer Demonstrationen, es kam zu Toten und Verletzten. Doch inzwischen empfinden viele Menschen in der Stadt Abneigung gehen die russische Außenpolitik. Denn der Aufmarsch der russischen Truppen wird als Bedrohung empfunden. In den Schulen lernen die Schüler jetzt viel mehr über ukrainische Sprache und Kultur, die Nähe zu Russland weicht dem Entsetzen über die expansive Politik Putins.
Autorin: Ina Ruck, ARD-Studio Moskau

Estland: Narva – Unsicherheit in der Stadt der Russen
In den Straßen Narvas ganz im Osten der EU sind alle Straßenschilder estnisch. Die Menschen in der Stadt sprechen aber ausschließlich russisch. Denn die große Mehrheit hier sind ethnische Russen. Ein Leben auf der anderen Flussseite können sie sich nicht mehr vorstellen. Denn auf der anderen Seite des Flusses liegt Russland. Das Leben in der EU sei besser, sagen sie. Doch angesichts des NATO-Russland-Konflikts gibt es gemischte Gefühle in der Stadt. Vladimir Lazutin geht jeden Morgen zum Eisbaden und kann dabei rüber auf seine Heimat Russland schauen. „Jeder verbreitet hier gerade seine Sicht der Dinge, im ukrainischen, russischen und estnischen Fernsehen. Da muss man seine eigenen Schlüsse ziehen. Aber ich hoffe, dass es nicht zum Krieg kommt.“
Autor: Christian Blenker, ARD-Studio Stockholm

Brasilien: Nach Schulschließungen wegen Corona – Kinderdetektive suchen Mitschüler
Thuanne, Gabriel und Vagner sind erst 12 Jahre alt, aber schon als Detektive unterwegs. Ihre Mission: Sie sollen an ihrer Schule in Rio diejenigen Kinder aufspüren, die im Unterricht fehlen – und sie zurückholen. Oft ist das gar nicht so einfach: Einige leben in Armenvierteln, oft ohne Telefon oder Internet. Nach Monaten der Schulschließung während der Pandemie gilt in Brasilien wieder Präsenzunterricht, doch hunderttausende Kinder haben den Kontakt zur Schule verloren. Nach offiziellen Zahlen liegt die Quote der Schulabbrecher im Bundesland Rio derzeit bei fast 13 Prozent. Wer eine schlechte Schulbildung hat, hat ein höheres Armutsrisiko und geringere Aufstiegschancen. An anderen Schulen ist das Engagement der Lehrer gefragt.
Carlos Eduaro Assunção hat sich selbst auf die Suche nach fehlenden Schülerinnen und Schülern gemacht und Haus für Haus abgeklappert. Er sieht kaum eine Alternative zum Präsenzunterricht. „Für viele Kinder ist die Schule nicht nur der Ort, an dem sie lernen“, sagt er. „Sie lernen hier auch Sozialverhalten, bekommen eine Struktur und eine warme Mahlzeit.“
Autorin: Marie-Kristin Böse, ARD-Studio Rio de Janeiro

USA: Freiheit für Bisons
In Montana züchten indigene Rancher Bisons. Die Büffel sicherten den Indianerstämmen über Jahrtausende das Überleben, für die Indigenen sind sie Teil ihrer Kultur und ihrer traditionellen Lebensweise. Inzwischen grasen Rinder auf den Weiden, die Bisons wurden fast ausgerottet. Doch jetzt bemühen sich immer mehr Stämme, die großen Tiere in ihren Reservaten wieder anzusiedeln. Robbie Magnan hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Bisons und die Indigenen wieder zusammenzubringen. Als einer der Rancher ist er verantwortlich für die Zucht und er sorgt auch dafür, dass seine Tiere keine Erkrankungen weitertragen. Zum Beispiel die Bruzellose-Bakterien, die auch auf Rinder überspringen und deswegen von den Ranchern in den USA gefürchtet werden. Drei Jahre müssen die Bisons in Quarantäne gehalten werden und viele Male wird ihnen Blut abgenommen, bevor sie von Montana aus in andere Reservate transportiert werden dürfen. Aber für Robbie Magnan ist es die Mühe wert.
Autorin: Claudia Buckenmaier, ARD-Studio Washington

Niederlande: Wo ist die offene und tolerante Gesellschaft?
„Früher waren wir viel entspannter im Umgang. Da waren wir auch oben ohne am Strand. Und jetzt: undenkbar“. Brenda aus Amsterdam vermisst die Zeiten, in denen die Niederlande als offene und tolerante Gesellschaft für viele Länder als Vorbild galten. Brenda arbeitet als Sexarbeiterin in Amsterdams berühmtem Rotlichtviertel „De Wallen“. Ihren Beruf hat sie sich selbst ausgesucht, sie versteht sich als Unternehmerin. Doch sie muss fürchten, dass sie und andere Frauen bald nicht mehr in der Innenstadt arbeiten können: Die Stadtverwaltung will das Rotlichtviertel in ein Industriegebiet außerhalb der Stadt verlegen. „Wir sollen nicht mehr sichtbar sein“, schimpft Brenda. Das sei noch so ein Zeichen für zurückgehende Offenheit und Toleranz. Im Rahmen der ARD-Mediatheks-Serie „Liebe, Sex, Tabu“ berichtet der „Weltspiegel“ über den Wandel in der niederländischen Gesellschaft.
Autorin: Gudrun Engel, ARD-Studio Brüssel

Japan: Die härteste Mülltrennung der Welt
Das Dorf Kamikatsu liegt in der Region Shikoku, im Süden Japans. Die knapp 1.400 Einwohner haben sich einem großen Ziel verschrieben: Sie wollen keinen Abfall produzieren. „Zero waste“, „Null Abfall“ heißt das Motto, nach dem sie handeln. Ihren Müll sortieren sie in mehr als 40 unterschiedliche Mülltonnen, um möglichst alles aus dem Abfall zu recyclen. Inzwischen ist das Dorf im ganzen Land bekannt, Touristen kommen und staunen über die Mülltrennung und die Wiederverwendung möglichst aller Abfälle. Allerdings ist das Ziel noch nicht ganz erreicht: Bei 100 Prozent Wiederverwertung sind sie in Kamikatsu noch nicht.
Autor: Ulrich Mendgen, ARD-Studio Tokio

Dazu auch der Podcast in der ARD Audiothek

http://www.daserste.de/weltspiegel

Redaktion: Dr. Clas Oliver Richter (NDR)

Pressekontakt:
NDR Presse und Information, Tel.: 040/4156-2300, E-Mail: [email protected]
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Quelle: ots

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