„Anne Will“: Gradmesser für die jüngste deutsche Geschichte – letzte Ausgabe am 3. Dezember im Ersten

Hamburg (ots) –

Die meistgesehene Talksendung im deutschsprachigen Raum, 553 Ausgaben in 16 Jahren, mehr als 1300 Gesprächsgäste: Wenn Anne Will am Sonntag, 3. Dezember, um 21.45 Uhr im Ersten zum letzten Mal ihren gleichnamigen Polit-Talk moderiert, geht eine Ära zu Ende. Niemand hat die Sendung am Sonntagabend so lange moderiert wie sie. „Anne Will“ startete am 16. September 2007 mit einer Sendung zum Thema Arbeitsmarkt, Rente und Mindestlohn („Rendite statt Respekt – wenn Arbeit ihren Wert verliert“). Das Thema für die letzte „Anne Will“-Ausgabe steht derzeit noch nicht fest – bester Beweis für die gleichbleibende Aktualität der Sendung.

Joachim Knuth, NDR Intendant: „Anne Will hat mit ihrer Sendung viele Jahre lang maßgeblich zur politischen Meinungsbildung in Deutschland beigetragen. Woche für Woche haben ihre Diskussionen mit hochkarätigen Gesprächsgästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur der deutschen Öffentlichkeit Informationen und Meinungen aus erster Hand geliefert. So konnten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer immer ein eigenes Urteil über die gesellschaftlich relevanten Debatten bilden. Ich danke Anne Will für ihre sichere, verlässliche Navigation durch die intensiven Nachrichtenlagen der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte und ihre gleichbleibend große, nie erlahmende journalistische Neugierde.“

Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin: „Der Sonntagabend im Ersten ohne Anne Will – eigentlich kaum vorstellbar. So sehr hat Anne Will den politischen Talk der ARD mit ihrer journalistischen Kompetenz, mehr aber noch mit ihrem konsequent nachhakenden, präzisen Moderationsstil und ihrer kraftvollen Persönlichkeit geprägt. Immer auf den Punkt perfekt vorbereitet, in der Gesprächsführung stets klug agierend, durchsetzungsstark und reaktionsschnell. Mit sagenhaften 553 Sendungen in 16 Jahren immer für Gesprächswert gesorgt und sein Publikum erreicht zu haben, ist eine herausragende Ausnahmeleistung. Solch eine Leistung über einen so langen Zeitraum mit einem solchen Publikumszuspruch geht nur gemeinsam: Dafür danke ich Anne Will und ihrem gesamten Team von ganzem Herzen.“

Die Gästelisten machen den Verlauf der jüngsten Geschichte der Bundesrepublik deutlich. So begrüßte Anne Will in ihren ersten beiden Sendungen u. a. den damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und Marianne Birthler, damals Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Angela Merkel war als Kanzlerin sechsmal zu Gast im Einzelgespräch – häufig, wenn es Krisen zu bewältigen galt (Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Corona). Auch Olaf Scholz war als Kanzler im Einzelgespräch zu Gast (27.3.2022), davor auch schon als stellvertretender SPD-Parteivorsitzender, als Bundesarbeitsminister, als Erster Bürgermeister von Hamburg, als Bundesfinanzminister und als Vizekanzler.

Immer wieder haben Anne Will und ihr Team die Sendung verändert – zuletzt in der Corona-Pandemie, als von einem Tag auf den anderen kein Publikum mehr im Studio war. Eine Veränderung, bei der die Redaktion dann blieb. Auch die Zusammensetzung der Gästerunden veränderte sich immer wieder. Mal waren persönlich Betroffene dabei und gaben inhaltliche Impulse an politisch Verantwortliche, mal führte die Moderatorin Interviews vor Ort (zum Beispiel mit Greta Thunberg auf einem Bauernhof in der Nähe von Lützerath im Januar 2023 oder zuletzt mit der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer).

Anne Will ist eine mehrfach ausgezeichnete Journalistin und Moderatorin – bereits für ihre Interviews in den tagesthemen erhielt sie den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Mit ihrer Sendung am Sonntagabend im Ersten bot sie die maßgebliche Einordnung des jeweiligen Themas, setzte die politische Agenda für die darauffolgende Woche. Gemeinsam mit ihrem Team reagierte sie mitunter innerhalb weniger Stunden auf aktuelle Ereignisse.

Die Reichweiten von „Anne Will“ waren immer besonders hoch, wenn es aktuelle Krisen zu besprechen gab. Absolutes Rekordjahr war das Jahr 2021 mit durchschnittlich 15,2 Prozent Marktanteil und im Jahresmittel mehr als 4,117 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern am Sonntag im Ersten. In diesem Jahr fand der Polit-Talk nach dem Terrorangriff auf Israel die bisher höchste Aufmerksamkeit: Am 15.Oktober lief „Anne Will“ mit 18,7 Prozent Marktanteil, knapp vier Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalteten die Ausgabe ein.

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Quelle: ots

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